Die Reife(n)prüfung 

Die Reife(n)prüfung 

Die Reife(n)prüfung 

Die Reife(n)prüfung 

Die Reife(n)prüfung 

Sprechen wir doch mal differenziert über das einzige Teil am Fahrzeug, das tatsächlich Kontakt mit der Strasse hat. Hand aufs Herz: Was wissen Sie über Reifen? Wir haben einen Test-Event des Herstellers Hankook in Cazis GR besucht, der Aufschluss über Leistungsspektrum und Einsatzzwecke gab.

7. Oktober 2021


Rund, schwarz, aus Gummi: So stellt man sich den typischen Reifen vor. Doch der erste Eindruck täuscht: Pneus sind heute Hightech-Produkte, die so hohen wie vielfältigen Ansprüchen genügen müssen. Ein «Driving Experience»-Tag des Herstellers Hankook hat Kunden und geladene Gäste eigene «Er-Fahrungen» dazu machen lassen, wozu moderne Reifen fähig sind. Im Fahrsicherheitszentrum «Driving Graubünden» in Cazis GR gab’s ein abwechslungsreiches Programm mit Theorie- und Praxisteil. 

Da bist du platt

Torsten Ideker, Senior Automotive Engineer bei Hankook Tire Europe (vgl. auch folgendes Interview), eröffnete seine Theoriestunde mit einer Analyse, wie ein Reifen aufgebaut ist. Eine Struktur aus neun Hauptkomponenten und Werkstoffen wie Stahl, Naturkautschuk, Textilien und Chemikalien lässt ein überaus komplexes Produkt entstehen. Die Präsentation machte weiter klar, dass zwei zentrale Faktoren für die Bremswegreduzierung im Winter entscheidend sind: Gummimischung und Anordnung der Lamellen im Profil. Auch die Demonstration unterschiedlicher Pannenschutztechnologien wie «Runflat» und «Sealguard», die ein Auto trotz eingefahrenem Nagel weiterfahren lassen, versetzte die Teilnehmenden in Erstaunen.

 

Fährst du noch oder klebst du schon?

Rasant ging’s bei den Brems- und Ausweichübungen auf der Testpiste zu. Schnelle Spurwechsel sorgten für Adrenalinausschüttung, forderten aber auch präzises Lenkverhalten und sportliche Dynamik. Neue, perfekt aufs Fahrzeug zugeschnittene MOE-Reifen (Mercedes Original Extended) liessen unterschiedliche Modelle von Mercedes-Benz förmlich auf der Piste kleben – selbst mit ausgeschaltetem ESP (Elektronisches Sicherheits- und Stabilitätsprogramm).


Abgefahrene Erlebnisse

Ein ganz anderes Bild zeigt sich, wenn auf einer Achse abgefahrene Reifen montiert sind. Betrifft dies die Vorderachse, lässt sich das Fahrzeug noch einigermassen kontrollieren. Sind die abgefahrenen Pneus aber hinten, zielen jegliche Fahrkünste daneben: Das Auto dreht sich ins Abseits. Spannend auch die Fahrversuche mit einem «Plattfuss» hinten rechts – mal mit, mal ohne «Runflat»-Eigenschaft des Reifens: Während man mit «Runflat» noch viel unter Kontrolle hat, ist ohne stabilisierende Technologie rasch Ende Gelände.


Alle Wetter!

Über 40 Prozent der neu gekauften Personenwagen in der Schweiz sind dem SUV-Segment zuzuordnen. Dabei sehen viele Allradfahrzeuge zu Lebzeiten kaum einen Kieselstein aus der Nähe. Ganz anders auf dem weitläufigen Testgelände von «Driving Graubünden», wo ein teils schlammiges, teils schroffes 4×4-Abenteuer auf die Teilnehmenden wartete. Egal bei welchen Witterungsbedingungen: Tüchtige Offroad-Reifen wie ein Hankook mit MO-Kennung als Winter- oder Sommerversion bilden zweifellos die Basis fürs Bestehen im Gelände. Trotzdem ist das erst die halbe Miete. Die zweite Hälfte machen Know-how und Erfahrung aus. Letztere kann man sich beispielsweise bei den Driving-Events von Mercedes-Benz holen.

Haftung gefragt

Zustand und Qualität der Reifen machen den Unterschied bei den Ausweichübungen. 

Reifen ohne Luft

Ist aus einem Reifen die Luft draussen, kann es auf der Piste kritisch werden.

Mercedes-Benz im Gelände

Gute Reifen, aber auch Fahrkönnen sind abseits der befestigten Strassen gefragt. 

Torsten Ideker im Gespräch

«Die Physik lässt sich auch mit dem besten Reifen nicht überlisten.» 

Torsten Ideker, Senior Automotive Engineer bei Hankook Tire Europe 

Was unterscheidet spezielle MOE-Reifen für Mercedes-Benz Modelle von anderen Reifen auf dem Ersatzmarkt?

Erstere wurden für ein bestimmtes Fahrzeugmodell entwickelt. Sie sind also massgeschneidert wie ein guter Anzug und bieten die bestmögliche Performance. Während auch ein Anzug von der Stange hochwertig sein kann, liefern OE-Reifen noch das Tüpfelchen auf dem i.

 

Was hilft der beste Reifen für die schneebedeckte Fahrbahn, wenn es in der Heimatregion so gut wie nie schneit?

Ein Bündner Bergler wird schwerlich ohne gute Schneeeigenschaften auskommen. Im grauen Nebelmatschregenwinter Zürichs jedoch ist wohl eher optimale Traktion auf Nässe gefragt. Dank seiner spezifischen Gummimischung ist ein Winterreifen perfekt auf Temperaturen unter 7 Grad Celsius ausgelegt und auch dem besten Sommerpneu überlegen – selbst wenn die Strassen nicht schneebedeckt sind. 

PS-starke Sportwagen und Winter – verträgt sich das?

Wer einen hochwertigen Sportwagen im Winter bewegen will, sollte dies nur mit gesundem Menschenverstand, ruhigem Gasfuss und selbstverständlich mit guten Winterreifen tun. Auch wenn alle möglichen elektronischen Assistenzsysteme an Bord sind: Die Physik lässt sich nicht überlisten.
 

Kommen Reifen bald aus dem 3D-Drucker?

Aufgrund des komplexen Aufbaus, des Materialmix und der Beanspruchung eines modernen Hochleistungsreifens erscheint dies aus heutiger Sicht eher unrealistisch. Anders sieht es natürlich im Modellbau aus – oder bei Fahrzeugen, die immer langsam fahren. Da mag es Anwendungen geben, wo das heute schon funktionieren kann.