Power auf Dauer: vier Räder, 31 Jahre alt und gut 500 000 Kilometer auf dem Buckel. An eine Trennung von seinem Mercedes-Benz 300 D denkt Besitzer Ueli Gloor (73) aus Staufen AG aber noch lange nicht.
15. November 2023
Als Ueli Gloor aus Staufen bei Lenzburg AG am 11. September 1992 sein neues Auto abholt, notiert er einen Stand von 23 Kilometern ins neue Fahrtenbuch. 31 Jahre später lenkt Gloor denselben Mercedes-Benz 300 D nach Seon zu seiner Stammwerkstatt. Er dreht noch zwei, drei Runden im Quartier, bis der Kilometerzähler seines Wagens exakt 500 000 anzeigt. So biegt er aufs Areal der Markenvertretung Robert Huber AG ein.
Thomas Wegmann, der heutige Betriebsleiter der Robert Huber AG Seon, hatte als Lernender bereits den 50 000-km-Service an Gloors Mercedes ausgeführt. Von der Beständigkeit von Fahrer und Fahrzeug zeigt er sich sichtlich beeindruckt: «Dieser 300 D, Baujahr 1992, ist der reale Beleg für den Anspruch, den Mercedes-Benz von jeher an die eigenen Fahrzeuge stellt: Langlebigkeit und Qualität sind für die Marke ja sprichwörtlich.»
Zwölfeinhalb Mal um die Erde
Wie weit eine halbe Million Kilometer tatsächlich sind, ist nur schwer vorstellbar. Tatsächlich entspricht das der mittleren Entfernung zwischen Erde und Mond und ein gutes Viertel wieder zurück. Auch mit zwölfeinhalb Erdumrundungen wäre dieses Streckenziel erreicht. Anders ausgedrückt: Es ist einfach wirklich weit.
Massgebend für solche Laufleistungen sind in erster Linie die Robustheit der Konstruktion, die technische Zuverlässigkeit und die Grundqualität der Fahrzeugverarbeitung. Trotzdem kommen heute Fahrzeuge mit derart hoher Laufleistung nur noch äusserst selten zu Wegmann in die Werkstatt: «Früher hatten wir das öfter, Ueli Gloor ist also nicht der Erste. Doch heutige Fahrzeuge erreichen kaum mehr solche Kilometerstände. Die weit verbreitete Leasing-Praxis trägt das Ihrige dazu bei.»
Es wäre allerdings falsch anzunehmen, dass der 73-jährige Ueli Gloor seine Autofahrerkarriere mit diesem 300 D gestartet hätte. Der ursprüngliche Renault-Kunde und erfahrene Militär-Lastwagenfahrer sagt mit dezentem Stolz in der Stimme: «Vor diesem 300 D hatte ich auch schon einen Mercedes – einen 240er Diesel, den ich 1981 ebenfalls neu gekauft hatte. Auch damit fuhr ich über 260 000 Kilometer weit.» Mit Sicherheit kann er also sagen: «Von den rund eineindrittel Millionen Kilometern, die ich im Leben auf vier Rädern zurückgelegt habe, geht über die Hälfte auf das Konto der Marke Mercedes-Benz.»
Sparsam im Verbrauch
Weshalb fiel Ueli Gloors Wahl damals genau auf dieses Fahrzeug? «Das ist schnell erklärt», antwortet er. «Ein Diesel musste es sein, weil diese Motoren seit eh und je lange halten und mir ein sparsamer Verbrauch immer wichtig war. Ich wusste, dass ich den 300 D wie schon den Vorgänger mit acht Litern auf 100 Kilometer fahren kann.» Auch der Klassenaufstieg auf einen Sechszylinder war ihm ein Anliegen. «Ich wollte einfach ein Auto mit einer anständigen Höchstgeschwindigkeit. Auch wenn ich nie ans Limit gehe, fahre ich in Deutschland schon mal 150 oder 160 km/h.» Vor allem ging es Ueli Gloor aber um Dauerhaftigkeit. Bereits vor dem Kauf war ihm klar: «Unter 300 000 km wird über einen Fahrzeugwechsel gar nicht erst nachgedacht.» Und bei der Markenvertreterin Robert Huber AG deponierte er seine Forderung: «Ich brauche ein Auto, das mindestens zehn Jahre hält.»
Vor jeder Neuwagenbestellung steht man vor der Qual der Wahl. Ueli Gloor kreuzte 1992 auf der Konfigurierungsliste an: malachitgrüne Metallic-Lackierung, Stoffpolsterung «Dattel», Holzausführung «Wurzelnuss», elektrisches Schiebedach, Tempomat, elektrisches Heckfenster-Rollo, elektrische Fensterheber auch für die hinteren Türen, abnehmbare Anhängerkupplung, extragrosser 90-Liter-Tank und Automatikgetriebe.
«Ich hätte zwar lieber einen Fünfgang-Handschalter gehabt, aber der war damals kurzzeitig aus heute unerfindlichen Gründen der Lärmgrenzwertüberschreitung nicht lieferbar.» Und warum keine Klimaanlage? «Da habe ich gespart, weil ich damals dachte, die könne schnell mal kaputtgehen. Heute bin ich diesbezüglich natürlich anderer Meinung.»
Gewissheit, dass alles funktioniert
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich das Automobil insgesamt enorm weiterentwickelt. Ueli Gloor verfolgt die Innovationen mit Interesse, betont aber: «Auch mein 300 D hat bereits Fahrerairbag, ABS und ein automatisches Sperrdifferential.» Gleichzeitig wirft er ein: «Mit Unsicherheiten kann ich ganz schlecht umgehen. Ich brauche Gewissheit, dass stets alles funktioniert. Diese ganzen elektronischen Assistenten heutzutage – da stelle ich es mir schwierig vor, noch die volle Kontrolle zu haben.»
Für den Pflegezustand des Autos allerdings sei der Besitzer weitgehend selbst verantwortlich. Wie also geht man mit einem Auto um, wenn man es möglichst lange erhalten will? Ueli Gloor hat da gleich mehrere Rezepte auf Lager: «Ein Garagenplatz ist ein Muss und regelmässiger Service beim Markenvertreter das A und O. Und wer im Winter auf Salzstrassen unterwegs ist, tut gut daran, nach solchen Fahrten den Unterboden abzuspritzen. Wichtig ist auch, dass kein Schmutz in den Fugen haften bleibt. Oft wasche ich das Auto selber, nur selten fahre ich in die Waschanlage.»
«Pannendienst – was ist das?»
Das Auto hat es ihm gedankt. Roststellen gibt es kaum – nur punktuell an der Fahrertür, an der Schiebedachkante und an einer Wagenheberaufnahme. Und Reparaturen? Musste, etwa auf seinen langen Fahrten nach England, mal der Pannendienst ausrücken? «Nein, was ist das?» fragt Gloor zurück und lacht. Kürzlich, etwa bei Kilometerstand 470 000, war mal die Anschlussdichtung einer Treibstoffleitung defekt, wodurch etwas Diesel auslief. Und einer der sechs Zylinder hatte mal zu wenig Kompression. Bei dieser Gelegenheit gab’s auch neue Einspritzdüsen, da die alten verrusst waren. «Das war’s aber auch schon», sagt Gloor. «Insgesamt bin ich mit dem Auto ausserordentlich zufrieden. Auch der Fachwerkstatt mit ihren sehr gut ausgebildeten Mitarbeitenden muss ich ein Kränzchen winden. Ich fühle mich dort perfekt betreut.»
Immerhin ist die Geschichte von Ueli Gloor und seinem 300 D ja noch nicht zu Ende. «Ein neues Auto will ich nicht mehr, mein 300 D und ich bleiben ein Team, auch wenn ich keine neuen runden Kilometermarken mehr anstrebe. Mein Motto jedoch bleibt: Kümmere dich um dein Auto wie um deine Frau – mit Liebe und Respekt.»