Manufaktur und Massenware
Bei Schaumwein denken die meisten zunächst an die Champagne. Zurecht: Die namhaften Produzenten des französischen Weinanbaugebietes liefern zweifellos Qualitätsware. Doch die hohe Nachfrage führte im Laufe der Jahre zu einer enormen Produktionsmenge. Die Mainstream-Kellereien füllen mittlerweile jährlich viele Millionen Flaschen für den gesamten Globus ab. So stehen die grossen Namen zwar für Luxus, mit Exklusivität hat diese Massenproduktion allerdings wenig zu tun.
Also lassen wir uns nicht in die Champagne chauffieren, sondern nehmen Kurs auf La Sarraz (VD). Dank 118 kWh Akkukapazität und bis zu 612 km Reichweite laut WLTP vergeht die gesamte Reise ohne Ladestopp und damit wie im Fluge. Am Ziel angekommen, erwartet uns Steve Bettschen. Der Waadtländer Winzer heisst uns vor seinem unscheinbaren Hof herzlich willkommen.
Bettschen hat seine Passion zum Beruf gemacht und produziert – fast in Eigenregie – 7000 bis 10 000 Flaschen Wein pro Jahr. Rund 1000 Flaschen sind es nur von seinem Schaumwein «vin mousseux». Phusis – so heisst seine Marke – ist also eine echte Manufaktur, die sich ganz und gar dem Prädikat «Exklusivität» verschrieben hat.
Chemie und Leidenschaft
Das Leben als Winzer war Steve Bettschen nicht in die Wiege gelegt. Nach seinem Chemie-Studium arbeitete der Waadtländer bei einem grossen Weinhändler und lernte dort die Welt der Weine kennen – und lieben. «Ich konnte viele grossartige Weine degustieren. Noch bevor diese fast unbezahlbar wurden», erinnert er sich. 2007 kaufte er in der Nähe von Conthey (VS) seine ersten Reben, 2010 übernahm er in der Nähe von La Sarraz, wo heute sein kleines Weingut liegt, eine weitere Parzelle. Seither verknüpft er seine Kenntnisse aus der Chemie mit dem erlernten und erlebten Fachwissen, seiner Überzeugung für biodynamische Landwirtschaft – und seiner Leidenschaft. Und kreiert damit ausgezeichnete (Schaum-)Weine.
Übrigens: Auch Wilhelm Maybachs Weg zum weltbekannten Konstrukteur verlief alles andere als gradlinig. Schon früh wurde er zum Waisen und kam im Reutlinger Bruderhaus unter, wo er eine Ausbildung zum technischen Zeichner und Konstrukteur absolvierte. In der dem Bruderhaus angeschlossenen Maschinenfabrik teilte man ihn schliesslich einem gewissen Gottlieb Daimler als Assistenten zu …