G wie Geduld: wenn Messer und Motoren von Hand entstehen

Ein ähnliches Prinzip verfolgt Thomas Lampert in seiner Schmiede in Guarda im Unterengadin. Industrielle Massenproduktion ist in der Werkstatt ein Fremdwort. Nebst Bauschlosserei- und Metallbauarbeiten entstehen hier Messer, Äxte, Pfannen und Besteck in Handarbeit. Bekannt ist die Manufaktur vor allem für ihre verschiedenen Küchenmesser, die auch bei den bekanntesten Schweizer Gastronomen zum Einsatz kommen. Echte Klassiker sind das Chefmesser und das Salsizmesser.

 

Die Produktion beginnt mit einem kleinen Zylinder aus Messerstahl. Dass daraus Messer werden, ist für den Laien noch nicht erkennbar. Doch das ändert sich mit jedem Arbeitsschritt. Philipp Stecher ist gelernter Metallbauer Fachrichtung Schmied. Sein Handwerk: Stahl in Kunstwerke und Werkzeuge verwandeln.

 

Doch dafür muss der Stahl zuerst formbar werden. Auf der brennenden Steinkohle des Schmiedeofens wird der erwähnte Zylinder also zunächst zum Glühen gebracht. Rund 1000 Grad Celsius Kerntemperatur sind das Ziel, bevor der Krafthammer zum Einsatz kommt. «Der Stahl darf nicht zu heiss werden, sonst verflüchtigt sich der Kohlenstoff und das Messer wird weniger hart», erklärt Stecher.

 

Der maschinelle Hammer schlägt nun mit mehreren hundert Kilogramm beständig auf den glühenden Stahlzylinder, immer und immer wieder. Eine souveräne Kraft, die an den AMG V8-Motor im G 63 erinnert. Auch hier scheint jeder einzelne Zylinderhub aus der seitlich mündenden Abgasanlage hör- und spürbar zu sein. Gekoppelt mit nachdrücklichem und unermüdlichem Vortrieb.

 

Während Pleuel und Zylinder im Motor darauf ausgelegt sind, der Kraft unverrückbar zu widerstehen, ergeht es dem glühenden Metall unter dem Krafthammer anders. Durch eine präzise Hand und eine lange Zange geführt, verformt es sich von Schlag zu Schlag. Bis nach und nach ein Griff erkennbar wird und sich eine Klinge formt. Oder genauer: deren zwei. Denn die Messer werden im Doppel geformt. Das aus dem Zylinder geformte Element ähnelt dem Pik-Symbol aus dem klassischen Kartendeck und wird später entzweit.

G wie gewaltig: wenn rohe Kraft auf präzises Handwerk trifft

Mehrfach wird das Messer in spe im Feuer wieder auf Temperatur gebracht und anschliessend mit dem Hammer bearbeitet. Zunächst mit dem mechanischen Krafthammer, anschliessend von Hand. Schablonen helfen Philipp Stecher dabei, die richtige Form zu treffen. Schlussendlich ist aber vor allem sein Augenmass gefragt. Jedes Messer wird so zum Unikat.

 

Mit einem kühlenden Wasserbad und einem ersten Vorschliff der Klinge endet die schweisstreibende Arbeit am Feuer. «Ich weiss nicht, wie viel Wasser ich an einem Tag in der Schmiede trinke. Drei Liter sind es aber sicher», meint Stecher. Nach der Arbeit am Metall steht die Ausstattung des Messers an – genau wie es auch bei Mercedes-Benz geschieht. Erst recht, wenn die G-Klasse eine Sonderbehandlung durch das MANUFAKTUR-Programm erhält. Dann wird aus Tausenden von Teilen ein einzigartiges Kunstwerk gefertigt. Mit individueller Lederausstattung, Zierleisten und Holzeinlagen. Den Möglichkeiten sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Das zeigt zum Beispiel der Ladeboden des Kofferraums aus Kirschholz, der dem Innenraum ein besonders edles Ambiente verleiht.

G wie griffig: wie edle Materialien Form und Charakter gewinnen

Holz kommt nun auch beim Messerschmied zum Einsatz. «Wir verwenden Altlärche aus gebrauchten Holzbalken, zum Beispiel aus Scheunen, die abgerissen werden», erzählt Stecher. «Wenn hier im Tal etwas abgerissen wird, so kriegen wir das mit und kommen an neues Rohmaterial.»


Zunächst verklebt Stecher die zwei rechteckigen Rohlinge des Chefmesser-Griffs, dann nietet er sie zusätzlich. Dieses Vorgehen stellt die kompromisslose Langlebigkeit der Messer aus Guarda sicher. Erst dann bringt der Schmied den Griff an der Bandsäge in die richtige Form. Auch hier ist sein Augenmass unerlässlich. Im letzten Schritt erhält das Messer schliesslich seinen scharfen Schliff: «Ein Hohlschliff, bei dem die Klinge nach innen gewölbt geschliffen wird, schneidet zwar sehr gut, bleibt aber weniger lang scharf. Deswegen setzen wir auf einen balligen Schliff.» Übrigens: Damit das Messer möglichst lange hält, sollte es auf keinen Fall in der Spülmaschine gereinigt werden. Ein feuchter Lappen reicht völlig aus, zumal der Stahl einen geringen Kupferanteil hat, der antibakteriell wirkt. Der Griff kann bei Gelegenheit mit etwas Olivenöl nachbehandelt werden, um das Holz fein zu halten. So hält das Messer auch dem harten Küchenalltag über Jahre hinweg stand – und ist weit mehr als ein schön anzuschauendes Accessoire.

G wie Guarda: die perfekte Spielwiese für die Ikone der Geländewagen
Nach der schweisstreibenden und lauten Atmosphäre in der Schmiede ist nun etwas Erholung angebracht. Mit einheimischem Salsiz und frisch geschärften Messern im Gepäck nehmen wir den Weg ins Val S-charl unter die Räder. Denn das malerische Seitental des Unterengadins bei Scuol ist der ideale Ort, um Ruhe zu finden – und es bietet eine passende Topographie für unseren G: Inmitten der rauen Steinlandschaft entlang der Clemgia schlängelt sich ein Strässchen – oder besser gesagt: ein Schotterpfad – ins Tal. Genau das richtige Terrain also, um den Mercedes-AMG G 63 standesgemäss auszuführen. Denn auch wenn er auf der Strasse mit perfekten Manieren aufwartet und sich mit feinster MANUFAKTUR-Ausstattung in edlen Zwirn geworfen hat, steht G nach wie vor für Geländewagen. Und als solcher liebt es der G 63, sich ordentlich die Reifen schmutzig zu machen. Auch das ist ein wichtiger Teil seiner Persönlichkeit.

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