Aus Altreifen entstehen Türgriffe, aus Hausmüll wird Kunststoffersatz: Wie Mercedes-Benz nachhaltige Materialien überraschend ins Fahrzeug bringt – und warum Qualität und Verantwortung Hand in Hand gehen.

 

14. April 2025

 

Können hochwertige Materialien wirklich nachhaltig sein? Mercedes-Benz beantwortet diese Frage auf verblüffende Weise – mit Türgriffen aus Altreifen, Sitzbezügen aus PET-Flaschen oder Bodenbelägen aus alten Fischernetzen. Diese Materialien finden sich bereits heute in Serienmodellen, die auch auf Schweizer Strassen unterwegs sind – und zeigen, dass nachhaltiger Fortschritt nicht nach Kompromiss aussehen muss. Doch Nachhaltigkeit beginnt beim Autohersteller nicht erst im Recyclingprozess, sondern schon bei der Konstruktion jedes einzelnen Modells. Mit dem sogenannten «Rethink-Prinzip» berücksichtigt Mercedes-Benz bereits zu Beginn der Fahrzeugentwicklung, dass Modelle langlebig, leicht demontierbar, reparierbar und nahezu vollständig recycelbar sein müssen. Qualität bedeutet hier nicht nur Komfort und Eleganz, sondern auch Verantwortung für die Zukunft. Das zeigt sich besonders an folgenden Beispielen.

Mercedes-Benz EQS und EQE besitzen Kabelkanäle aus UBQ™, einem innovativen Kunststoffersatzmaterial aus schwer recycelbarem Hausmüll wie Lebensmittelresten und Mischkunststoffen. Was früher auf Deponien landete oder verbrannt wurde, steckt heute in hochwertigen Komponenten des Mercedes-Benz Interieurs – so auch in den Soundgeneratoren der Modelle EQA und EQB. Weitere Anwendungen des neuen Werkstoffs wie etwa in Radlauf- und Motorraumabdeckungen werden intensiv getestet.

Die Sitze des neuen CLA enthalten Schicht für Schicht recycelte Materialien – vom Sitzbezug aus PET-Flaschen über den Sitzschaum bis hin zum Unterbau. Die Bodenbeläge bestehen, wie bei anderen Modellen auch, zu 100 Prozent aus Econyl-Garn, das aus alten Teppichen und Fischernetzen hergestellt wird. Ein Luxusgefühl, das Komfort mit Verantwortung verbindet: Der CO₂-Fussabdruck des neuen vollelektrischen CLA sinkt dank dieser und weiterer Massnahmen im Vergleich zum Vorgänger über die gesamte Wertschöpfungskette um 40 Prozent.

Eine besonders faszinierende Geschichte liefert das chemische Recycling alter Pneus. Mercedes-Benz verwandelt Altreifen in hochwertiges Pyrolyse-Öl, aus dem ein Recyclingkunststoff entsteht, der Neumaterialien optisch und qualitativ in nichts nachsteht. Das innovative Rezyklat wird in Komponenten für Türgriffe eingesetzt – etwa im EQE und in der S-Klasse. Nachhaltigkeit wird so auf elegante Weise greifbar.

Mercedes-Benz geht auch bei klassischem Leder verantwortungsvoll neue Wege. Von Lieferanten fordert die Marke mit dem Stern strenge Standards bei Tierhaltung und Gerbung – also der Verarbeitung von rohen Tierhäuten zu Leder – ein. Die «5 Freedoms of Animal Welfare» gewährleisten artgerechte Tierhaltung. Die Lieferkette muss lückenlos nachvollziehbar und frei von jeglicher Form illegaler Entwaldung sein. Zur nachhaltigen Gerbung werden pflanzliche, chromfreie Extrakte verwendet, unter anderem aus Kastanien und getrockneten Kaffeebohnenschalen.

Batterien sind das Herzstück jedes Elektroautos – und ihr Recycling ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Mobilität. Mercedes-Benz verfolgt konsequent das Ziel, Batterien aus Elektrofahrzeugen in einem geschlossenen Kreislauf zu halten. Bereits heute gelingt es dem Automobilhersteller, wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel in seiner eigenen Recyclingfabrik in Kuppenheim, einer der innovativsten Anlagen Europas, mit einer Rückgewinnungsquote von 96 Prozent wiederzuverwerten. 

Auch bei Metallen liegt grosses Potenzial: Im Mercedes-AMG SL kamen 2022 erstmals Strukturgussbauteile aus bis zu 100 Prozent recyceltem Aluminiumschrott zum Einsatz – mit einer beeindruckenden CO₂-Einsparung von bis zu 90 Prozent. Mercedes-Benz beabsichtigt, noch in dieser Dekade jährlich über 200 000 Tonnen CO₂-reduzierten Stahl von Lieferanten für die eigenen Presswerke zu beziehen.

Blick in die Zukunft

Mercedes-Benz denkt bezüglich nachhaltiger Materialien bereits einen Schritt weiter: Künftig könnte zum Beispiel Leder komplett aus einer innovativen Materialkombination entstehen, bei der Pyrolyse-Öl aus Altreifen sowie Biomethan aus Landwirtschaftsabfällen zum Einsatz kommen. Dieses biotechnologische Kunstleder besitzt dieselben hochwertigen Eigenschaften wie traditionelles Leder, ist jedoch tierfrei und ressourcenschonend.

 

Wo Komfort auf Verantwortung trifft

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