Der Vormarsch der Elektromobilität macht auch vor den Vollzugsbehörden nicht halt. Seit zwei Jahren kommt ein umgebauter Mercedes EQC bei der Stadtpolizei Solothurn zum Einsatz. Wie hat sich das Fahrzeug bisher bewährt?

04. Juli 2023


Die mobile Zukunft der Stadtpolizei Solothurn steht auf dem Parkplatz zwischen Turnhalle Baseltor und Ausstellungslokal Rythalle, hat einen Stern auf Kühlergrill und Fronthaube und trägt die Modellbezeichnung EQC. Das 2021 im Rahmen eines Pilotprojekts angeschaffte Patrouillenfahrzeug rollt laut- und geruchlos daher, verfügt über eine praxiserprobte Reichweite von weit über 300 Kilometern und ist der Stolz einer Polizei, die grüner werden will.

Die Polizei als Vorbild – auch beim Umweltschutz
Dem Gesamttrend zur Dekarbonisierung des Verkehrs folgend, werden auch bei den Polizeikorps der Schweiz immer mehr Fahrzeuge mit einem Elektromotor betrieben. Marc Gerber, Beamter Sicherheit und Verkehr bei der Stadtpolizei Solothurn, sagt: «Natürlich hat die Polizei eine Vorbildfunktion. Und natürlich wollen wir auch beim Umweltschutz eine Vorreiterrolle spielen. Unser EQC hat sich im Alltagseinsatz grundsätzlich sehr gut bewährt.» Um dafür aber wirklich gerüstet zu sein, waren von Anfang an einige Modifikationen notwendig. So galt es unter anderem, Blaulicht, Sirene und Funk zu installieren sowie abschliessbare Staufächer für Waffen einzubauen. Zur Grundausstattung gehören zudem Helme, Absperrband und Pylonen. «So kann es schon mal vorkommen», sagt Marc Gerber, «dass es im EQC etwas eng wird. Es gibt Einsätze, da würden wir uns ein Fahrzeug wünschen, das eine Nummer grösser ist.» Zum Glück stehen mit dem EQE und dem EQS heute zwei geräumigere vollelektrische SUV-Modelle mit Stern im Angebot.

 

 

Verbrecherjagd auf saubere und leise Art
Marc Gerber und seine Kollegen sind permanent im Stadtgebiet unterwegs und oft als Erste bei Verbrechen oder Unfällen zur Stelle. Entsprechend muss die Polizei zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit sein. Wie gestaltet sich das mit einem elektrisch angetriebenen Fahrzeug? Die Vorteile überwiegen laut Marc Gerber deutlich: «Gerade in der Innenstadt mit den vielen Leuten und den Restaurants mit Bewirtung im Freien sind emissionsfreie Fahrten natürlich sehr willkommen. Ausserdem kann es durchaus mal von Vorteil sein, wenn man sich einem Tatort beinahe lautlos nähert.»


Der EQC hat eine in der Praxis erwiesene Reichweite von durchschnittlich 335 Kilometern – somit kommen auch keinerlei Bedenken auf, ob das Ziel einer Fahrt im aktuellen Aktionsradius liegt. Wie gestaltet sich die Praxis des Aufladens? «Uns stehen zwei Ladestationen zur Verfügung, eine in der Tiefgarage, eine draussen unmittelbar bei der Polizeistation», sagt Marc Gerber. «Ist der Wagen mal nicht im Einsatz, lässt er sich somit auch tagsüber problemlos aufladen.»

Günstiger in Betrieb und Unterhalt
Zwar sind Elektrofahrzeuge in der Anschaffung noch etwas teurer als vergleichbare Autos mit Verbrennungsmotor. «Auf lange Sicht amortisieren sich diese anfänglichen Mehrkosten aber, da E-Autos in Betrieb und Unterhalt massiv Geld sparen: In der Werkstatt fällt die Rechnung deutlich tiefer aus, weil beispielsweise kein Öl und keine Zündkerzen gewechselt werden müssen – und unser EQC spart selbstverständlich auch beim Tanken.» 


Wie kann man sich den künftigen Fahrzeugpark der Stadtpolizei Solothurn vorstellen? «Wir überprüfen ständig unsere Optionen – gerade wenn eines unserer konventionellen Fahrzeuge an sein Lebensende kommt. Mittlerweile kommen ja fast jeden Monat neue Elektromodelle auf den Markt.» Apropos Platzverhältnisse: Kürzlich hatte die Stadtpolizei Solothurn einen Mercedes EQV zum Testen. «Der verbindet die Vorzüge eines geräumigen Vans mit einem weitreichenden Elektromobilitätskonzept», sagt Marc Gerber. «Ich könnte mir also gut vorstellen, dass schon bald ein solcher EQV auf dem Parkplatz neben unserem EQC steht.»

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