Chasing Cancellara: Wo Amateure zu Herausforderern werden

Bei der Rennserie «Chasing Cancellara» ist der Weg das Ziel. Erlebe einen unvergesslichen Velotag mit dem Olympiasieger Fabian Cancellara. 

2. November 2020


«Chasing Cancellara» ist eine Eventserie der ganz besonderen Art für Rennvelosportlerinnen und -sportler. Wann hat man schon die Gelegenheit, mit einer lebenden Legende Velo zu fahren? Bei diesem eintägigen «Rennen» geht es nicht um das Gegeneinander, sondern um das Miteinander. Bei «Chasing Cancellara» spielt es keine Rolle, ob du Anfängerin oder Halbprofi bist – Hauptsache, du bist radsportbegeistert.

«Ich will etwas zurückgeben»

Es gibt Radrennfahrer, die nach ihrem Rücktritt vom Profisport ihr Rennvelo in die Ecke stellen – nicht so Fabian Cancellara. Er liebt das «Gümmelen» wie am ersten Tag und diese Begeisterung will der Champion teilen: «Das Velofahren hat mir so viel gegeben, ich will etwas zurückgeben und mit jenen Menschen teilen, die dieselbe Leidenschaft haben wie ich.» 

Nach dem Rücktritt im Jahr 2016 bekam Fabian Cancellara unzählige Anfragen, ob es eine Möglichkeit gebe, mit ihm Velo zu fahren. Daraus entstand die Idee, Events durchzuführen, an denen alle willkommen sind, mit Fabian Cancellara den wohl härtesten Tag des Jahres zu erleben. Die beiden Rennen Bern–Andermatt (200 Kilometer, 4500 Höhenmeter) und Zürich–Zermatt (280 Kilometer, 6500 Höhenmeter) sind nicht ohne. Bevor es mitten in der Nacht losgeht, checkt Fabian Cancellara persönlich die Ausrüstung der Teilnehmenden. Cancellara startet dann als Letzter. Er rollt das Feld von hinten auf und unterhält sich beim Überholen mit den Fahrerinnen und Fahrern. Unterwegs gibt der Ex-Profi zudem nützliche Inputs und hält bestimmt auch den einen oder anderen Geheimtipp bereit. «Ich geniesse das sehr. Es ist sowohl Hobby als auch mein Job», schwärmt Cancellara.

Chasing Cancellara
Chasing Cancellara
Chasing Cancellara
Chasing Cancellara
Chasing Cancellara
Chasing Cancellara

Vom Verfolger zum Gefolge

Vor drei Jahren war «Chasing Cancellara» noch ein reines Verfolgungsrennen. Dabei wurde der Olympiasieger auch schon mal von Amateuren geschlagen. «Und das ist gut so, um das geht es ja», lacht der Sportsmann. Heute gibt es nebst einem Zeitfahren in Lugano auch die sogenannten Ultrafondo-Touren, wo es darum geht, gemeinsam eine sehr anspruchsvolle, aber auch unvergessliche Radtour zu erleben. Hier steht der Community-Gedanke im Vordergrund, es geht um den Austausch zwischen dem Ex-Radprofi und den anderen «Veloholics». Begleitet werden die jeweils rund 400 bis 500 Teilnehmenden von Mercedes-Benz EQ Fahrzeugen. Die elektrifizierte Begleitflotte ist einer von vielen Beiträgen des Veranstalters, um den CO2-Ausstoss bei «Chasing Cancellara» möglichst gering zu halten. 

Organisiert wird die Rennserie von einem vierköpfigen Team, zu dem auch Fabian Cancellara selbst gehört. Tatsächlich arbeitet der Olympiasieger aktiv bei der Planung und Durchführung des Sportevents mit. «Er ist nicht nur der Poster-Boy, sondern jeden Tag mit uns am Arbeiten. Er kontaktiert Leute, plant und organisiert», sagt Cancellaras Manager über seinen Chef. Das Konzept geht auf: 2020 war ein voller Erfolg, mit tausenden begeisterten Velofahrerinnen und -fahrern an insgesamt sieben Rennen in vier verschiedenen Ländern. Künftig sind auch Rennen in den USA sowie in Australien geplant. 

 

Auch ein Ex-Profi braucht sein Training

Auch für den 40-Jährigen sind die Ultrafondo-Touren ein harter Brocken. Anders als bei einem jungen Profi dreht sich in Fabian Cancellaras Leben nicht mehr alles nur ums Training. Wie die meisten arbeitet auch er acht Stunden am Tag und muss in seiner Freizeit trainieren – und zwar regelmässig. Das ist auch einer seiner vielen Tipps, wenn er gefragt wird: Wie werde ich besser? «Indem man regelmässig fährt, am besten jeden zweiten oder dritten Tag. Das ist besser, als sich einmal in der Woche voll auszupowern.» 

Chasing Cancellara - Zürich-Zermatt
Chasing Cancellara - Zürich-Zermatt
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Chasing Cancellara - Zürich-Zermatt

Bern–Andermatt 2021: Fordere den Champion heraus

Am 2. Juli 2021 startet das Eintagesrennen in Bern und führt über rund 200 Kilometer nach Andermatt. Nach dem Start um 4 Uhr früh führt die Strecke über Münsingen vorbei am Thunersee und am Brienzersee. Erst geht es über den Grimselpass, dann über den Nufenen und schliesslich über den Gotthardpass über die alte Strasse, die Tremola: Das sind rund 4500 Höhenmeter. Wer sich das zutraut, sollte sich beeilen: Teilnehmen können maximal  500 Personen. Wer sich der Herausforderung stellen will, kann sich hier anmelden.

 

Zürich–Zermatt 2021: das härteste Eintagesrennen der Schweiz

280 Kilometer, 6500 Höhenmeter, 700 Gümmelerinnen und Gümmeler: Gestartet wird am 27. August 2021, um 1.15 Uhr nachts in Zürich. Nach dem Start geht es durch das Freiamt in die Region Sursee, um via Entlebuch die Pässe Glaubenbielen und Brünig in Angriff zu nehmen. Die Krönung: der kräftezehrende Grimselpass. Danach geht es mit Schuss ins Wallis, wo die Cancellara-Verfolgerinnen und -Verfolger dann nochmals richtig in die Pedalen treten müssen: für den Aufstieg von Täsch nach Zermatt. Teilnehmen können maximal 700 Personen. Anmelden kann man sich hier.