Spannung pur in der Automobilwerkstatt: Waldemar Marchel, Servicetechniker-Meister bei der Walter Hasler AG im aargauischen Frick, über die obligatorische und umfassende Hochvoltausbildung von Mercedes-Benz Schweiz.
26. Januar 2024
Die zunehmende Zahl von Elektroautos auf der Strasse macht sich mittlerweile auch in den Servicewerkstätten bemerkbar. Zwar ergeben sich für die Nutzenden keinerlei Risiken durch die im Fahrzeug verbaute Hochvoltbatterie, nicht einmal in der Waschstrasse, aber in der Werkstatt bei der Reparatur sind Fachkräfte im Umgang mit Hochvoltsystemen gefragt. Know-how und Sicherheit haben absolut Vorrang. Wir wollten genauer wissen, wie Mercedes-Benz Schweiz erfahrene Automechaniker sowie angehende Mechatronikerinnen fit für die Elektromobilität macht, und haben bei Waldemar Marchel, Werkstattleiter der Walter Hasler AG in Frick, nachgefragt.
Herr Marchel, sind die Hochvoltschulungen von Mercedes-Benz, die Ihr Werkstattpersonal durchläuft, Fachausbildung und Sicherheitstraining zugleich?
Ja, die Sicherheit steht bei uns absolut im Zentrum – das war bei der Walter Hasler AG übrigens schon immer so. Unsere Lernenden erhalten bereits zu Beginn der Ausbildung die entsprechenden Unterweisungen, die wir immer wieder ergänzen und auffrischen. Auch ältere Lernende bringen den Lehranfängern in punkto Sicherheit viel bei. Und bevor jemand an einem Elektroauto arbeiten darf, muss er bereits einige Stufen der von Mercedes-Benz Schweiz vorgeschriebenen Hochvoltausbildung absolviert haben.
Wie ist diese aufgebaut?
Die Hochvoltausbildung ist in vier Stufen unterteilt, und die Mitarbeitenden müssen sie nacheinander absolvieren. Zuerst kommt die Hochvoltsensibilisierung, ein einstündiges E-Training, gefolgt von Level 1, der Hochvoltqualifizierung. Level 2, das Hochvoltprodukttraining, wird zuerst als E-Training mit digitalen Medien durchgeführt, woran ein eintägiger Präsenzkurs anknüpft.
Wie geht es danach weiter?
Level 3, die manuelle Spannungsfreischaltung, wird in einem eintägigen Präsenzkurs absolviert. Und der Tageskurs «Fehlerdiagnose an Hochvoltsystemen» schliesst als Level 4 die Hauptausbildung ab. Level 3 und 4 lassen sich auch in einem zweitägigen Kombikurs absolvieren. Am Schluss steht eine Prüfung mit Zertifikat für die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen.
Wer absolviert den Diplomkurs «Fachkundige Person für Hochvoltsysteme»?
Diese Weiterbildung baut auf Level 4 auf und ist Pflicht für mindestens zwei Fachpersonen eines jeden Betriebs, der mit Hochvoltsystemen arbeitet. Der Lehrstoff ist auf das Autogewerbe angepasst und für die Produkte von Mercedes-Benz massgeschneidert.
Wie erleben Sie und Ihre Mitarbeitenden die Hochvoltausbildung von Mercedes-Benz Schweiz?
Am Ende dieser Ausbildungsmodule steht immer gewonnenes Wissen, das sich in unserem Betrieb sofort anwenden lässt. Zum Glück haben wir genügend Mitarbeitende bei der Walter Hasler AG, die diese Kurse ausgesprochen gern absolvieren. Natürlich gibt’s auch mal ältere Kolleginnen und Kollegen, die damit weniger am Hut haben – und die werden auch nicht zur Teilnahme gezwungen. Allerdings steht die Frage im Raum: Haben reine Mechaniker im Fahrzeuggewerbe längerfristig eine Zukunft?
Welche Schutzmassnahmen wenden Sie konkret an?
Wir haben isolierende, antistatische Schutzmäntel, ebensolche Helme mit Visier, Sicherheitshandschuhe und eine Gummimatte, auf die sich die Mechatroniker bei der Arbeit an Hochvoltkomponenten stellen. Diese Matte ist übrigens nicht vorgeschrieben, wir setzen sie freiwillig ein.
Welche Diagnose-Tools und Spezialwerkzeuge setzen Sie ein?
Neben sehr präzisen Spannungsprüfern und verschiedenen Prüfadaptern verwenden wir auch ein Multimeter-Gerät, das unter anderem die Isolationswiderstände misst. Ein Batteriewagen dient zur Aufnahme der kompletten Batterie nach deren Ausbau.
Wie detailliert arbeiten Sie an Elektroauto-Batterien?
Dass wir an einzelnen Modulen der Antriebsbatterie arbeiten, ist im Moment noch Zukunftsmusik. Mercedes-Benz Partnerbetriebe zerlegen noch keine Batterien. Diese werden, wenn ihre Mindestkapazität unterschritten wird, in die entsprechenden Kompetenzzentren von Mercedes-Benz geschickt.
Sind E-Autos grundsätzlich servicefreundlicher als Verbrennerfahrzeuge?
Die Wartung von Elektroautos gestaltet sich recht simpel, da der Motor und das Antriebssystem im Gegensatz zu Verbrennern so gut wie wartungsfrei sind. Geprüft werden jedoch immer der Zustand und die erforderliche Menge der Flüssigkeiten für die Kühl- und Bremssysteme.
Die Berufsbilder in der Werkstatt ändern sich mit dem vermehrten Aufkommen der Elektroautos. Wie erleben Sie diese Entwicklung?
Es ist doch wie immer im Leben: Wer zuversichtlich nach vorne schaut, gewinnt. Wir bei der Walter Hasler AG betreiben Kundenbindung durch gelebte und gelieferte Qualität. Die dürfte sich auf jeder Stufe der Mobilitätsentwicklung durchsetzen.